Reinhard Giebel - Lehrjahre mit Gunter Hampel

Der in Göttingen geborene Pianist Reinhard Giebel stammt aus einer musikalischen Familie, die für frühen Klavierunterricht sorgte. Erste Erfahrungen mit dem Zusammenspiel machte er im Eisenbahnorchester, wo er Klarinette, Saxophon, Akkordeon und Klavier spielte.

Auf dem Gymnasium lernte er Gunter Hampel kennen, und die beiden beschlossen die Gründung eines Jazz-Quartetts. „Ich war 19 und stand kurz vor dem Abitur. Gunter war - im positiven Sinn - als ‚Manager‘ sehr begabt. Wir waren bald in Göttingen eine bekannte Band und haben auf Studentenveranstaltungen und Schulfesten gespielt.“

Stilistisch orientierte sich die Formation am Westcoast Jazz im Geiste von Miles Davis, Bud Shank und Shelly Manne. „Wir haben die Stücke von Langspielplatten abgeschrieben. Darin war ich Spezialist. Ich musste die Themen, die Harmonien und die Stimmen für die einzelnen Musiker herausfummeln. Hampel hat verschiedene Instrumente gespielt: Klavier, Tenorsaxophon, Klarinette. Um 1957 hat er sich ein Vibraphon angeschafft, das wurde seine Leidenschaft. Dann begann er, Stücke zu schreiben. Anfang 1960 kam der Free Jazz, von da an wurde kaum noch etwas nachgespielt.“

Die Gruppe mit Werner Lüdi, Herbert Joos, Buschi Niebergall und Olaf Kübler tourte durch ganz Deutschland. Sie spielte auch in Holland und bei der US-Army auf der Airbase in Madrid. 1962 begann Giebel zu studieren und wollte Dolmetscher werden. In der Zeit des Lehrermangels fand er jedoch in Wuppertal eine Schule, wo er bis zu seiner Pensionierung 2005 unterrichtete. 1975 gründete Giebel eine eigene Band: Maple Leaf, ein Quartett mit Dieter Nett an Saxophon und Klarinette, dazu kamen Bass und Drums. Gespielt wurde Modern Jazz. Nach der Auflösung der Gruppe machte Giebel mit Nett weiter. Das Duo spielte 15 Jahre zusammen und veröffentlichte vier Langspielplatten.

In den letzten Jahren trat Giebel vorwiegend solo auf und brachte mehrere CDs im Eigenverlag heraus. Er hat eine Vorliebe für Komponisten wie Mozart, Rossini oder Lortzing, die vermeintlich leichte Musik schrieben. „Was ich an ihnen immer bewundert habe: sie präsentieren ihre Sachen so, als kämen sie aus dem Handgelenk, und man weiß genau: Sie haben Wochen und Monate hart daran gearbeitet. Mir fällt dazu ein Zitat von Jean Paul ein: ,Wenn man die Anstrengung bemerkt, war sie vergebens.‘ Ein guter Satz!“

aus: „sounds like whoopataal“ (2006) - Wuppertal in der Welt des Jazz
mit freundlicher Genehmigung des Autors Rainer Widmann