Pressestimmen

„For Bill" nennt Reinhard Giebel seinen Jazz-Waltz für Bill Evans. Er verknüpft spielerisch verschiedenste Stil-Strukturen und Versatzstücke miteinander, zitiert die Tradition, unterbricht sich dabei selbst-ironisch, fegt derwischartig über die Tasten.

Thomas Tang, Jazzpodium 05-1989

Mit der CD „On The Air" veröffentlicht Reinhard Giebel sein nunmehr 5. Werk. Er besticht dabei durch die ihm eigene Kühle, seinen hintergründigen Humor in der Wahl einer Vielzahl musikalischer Zitate und einen wohldosierten, unscheinbaren „Understatement-Charme", der seine zunächst unscheinbaren Titel erst nach mehrmaligem Hören sich erschließen lässt.

Der Verlag, Silberstedt 03-1994

Der Wuppertaler Pianist und Komponist Reinhard Giebel gehört zu den Altvorderen der deutschen Jazzavantgarde. DIVERSE BITTERS ist sein achtes in mehr als 20 Jahren. Hier spielt er lauter, kleine, miniaturartige Stücke für Solopiano: sperrig, eckig und von sprödem Charme.

coolibri 12-2001

Cool, distanziert, gekonnt - aber ohne erklärende Worte - legt Reinhard Giebel uns hier innerhalb von 33 Minuten und 50 Sekunden 22 musikalische Aphorismen zu Füßen - in Form solistischer Piano-Miniaturen zwischen einer halben und dreieinhalb Minuten Länge. Der Pianist, einst Mitbegründer des Gunter Hampel-Quintetts, offeriert uns mit "Diverse Bitters" seine bereits achte CD.
Befreit von Grenzen bewegt er sich in seinen Solostücken zwischen Jazz, zeitgenössischer Klassik, Neuer Musik und „angeschlagener" Bluesmusik hin und her. - „Diverse Bitters" fordert dem Hörer ein hohes Maß an Konzentration und Einfühlungsvermögen ab, und ist ungeheuer vielseitig - sowohl technisch als auch inhaltlich.

Carina Prange, jazzdimensions, 8.6.2001

Keine leichte Kost bietet Reinhard Giebel mit seiner neuen CD „Diverse Bitters" an. Der Wuppertaler Pianist und Komponist, seit 1978 fester Bestandteil der innovativen Musikszene dieser Stadt, legt damit sein achtes Album vor, kompromisslos nüchtern bis tonal verspielt. Die 22 Stücke der CD zwischen knapper Jingle-Länge und angedeuteter, aber nicht eingelöster Walzerseligkeit in „Musette" sind auf hautnahe und prickelnde Art aufregend, rauben die Ruhe und zwingen fast magisch zum wieder und wieder hören.

Eine vertrackte Scheibe ist das, man möchte sie erfahren und begreifen, doch sie entzieht sich gläsern dem Zugriff. Also nochmal auflegen. Solo der Pianist, solo der Hörer - ein stummer Dialog stellt sich ein. Nach 33:50 Minuten ist der Spuk zu Ende. Was zwingt zum neuen Auflegen? Faszination!

Frank Becker, Westdeutsche Zeitung 11-2001

Im Doppelpack mit CD und Texten in der Reihe der „Besonderen Hefte" tritt Reinhard Giebel, früher Pianist des Gunter Hampel Quintetts, im Nordpark Verlag in Erscheinung: Seine CD "Abschied von Frankfurt" hat Anklänge an Jazz, Free Jazz oder improvisierte Musik. Giebel experimentiert mit Synthesizer, Stimme und Texten, sampelt oder loopt Sequenzen und spielt Klavier.
Der Wuppertaler bedient sich bei etablierten Schriftstellern, präsentiert Gedichte als Klangspiele, lässt sich vom Fund einer am Strand angeschwemmten Kiste anregen, zerhackt Wetterberichte oder verfremdet alte Volkslieder.
Ebenso kommen die Szenen und Plots im Buch „Aufregung in Kassel" daher, wo Giebel TV-Collagen wie beim Zappen durch die Prgramme scheinbar wahllos aneinander reiht. Das klingt dadaistisch oder ist surreal angehaucht und ganz witzig, aber ob sich daraus eine wie auch immer geartete Handlung ableiten ließe, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen.

vp, Westdeutsche Zeitung 13-12-2011

„Der Giebel" heißt die aktuelle CD des in Göttingen ge­borenen Jazzpianisten Reinhard Giebel nach einem Text von Christi­an Morgenstern. Gera­de ist sie im Wupperta­ler Nordparkverlag von Alfred Miersch er­schienen. Mit Jazz hat das nur noch bedingt zu tun, aber wie grenzt man heute Jazz ab? Giebel, der seine Musikerkarrie­re Anfang der 60er Jahre in der Jazzformation des Vibraphonisten Gunther Hampel begann, sie­delte um 1970 nach Wuppertal um, wo er bis 2005 als Lehrer tä­tig war.
Ab Mitte der 70er Jahre spielte er mit verschiedenen Bands und Musikern in ganz Deutschland Clubkonzerte und hat einige Tonträger veröffentlicht. In den vergange­nen Jahren hat er sich zu­nehmend zum Solisten entwi­ckelt. So spielt er auf der aktu­ellen CD alle Instrumente, auch die Arrangements, bis zur Aufnahme, Abmi­schung und Produktion hat Gie­bel selbst übernommen. Die 17 vielfach rhythmusbe­tonten Stücke bieten ein breites Spektrum von songorientierten Klavierstücken, Technoanklä­gen bis zu Elektro und Neuer Musik, unterlegt mit teilweise elektronisch verfremdeten Wor­ten. Giebel verwendet neben ei­genen, auch kurze Texte be­kanter Autoren wie Joachim Ringelnatz und Christian Mor­genstern oder Volksliedtexte, die er kongenial in seine Musik einbindet.
Auch musikalische Zi­tate blitzen in einigen Tracks auf. Hier reicht der Bogen von der Ouvertüre zu „Die lustigen Weiber von Windsor“, über Zita­te bekannter Jazzstücke bis hin zu der Kris Kristofferson Kompo­sition „Help Me Make It Through The Night" in einer Reggae-Ver­sion von John Holt. Eine rundum gelungene, unterhaltsame CD.

Rainer Widmann, Westdeutsche Zeitung 18.11.2015